Im Allgemeinen wird die soziale Dimension der europäischen Integration auf Überlegungen zu einer “europäischen Identität” oder einem “europäischen kulturellen Erbe” begründet. Dabei wird jedoch zumeist vergessen, dass diese Aspekte zwar im Hintergrund eine wichtige Rollen spielen, aber eher abstrakte Vorstellungen sind, die relativ weit vom alltäglichen Leben der Menschen in Europa entfernt bleiben. Daher muss es darum gehen, die Betrachtung dieser “großen” Themen um eine Untersuchung auf der Ebene des Alltäglichen zu ergänzen: Was bewegt Menschen, eine Grenze zu überschreiten? Wie wirkt sich der Wegfall der Grenzkontrollen auf das Leben der Menschen aus? Wie erfahren die Menschen, was in den anderen Staaten der EU passiert? Welche Anreize gibt es für sie, über ihr Heimatland hinaus aktiv zu werden? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojekts “Die Reproduktion nationaler Grenzen”, das seit Anfang 2008 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg durchgeführt wird.
Dabei stehen drei (ehemalige) deutsche Grenzregionen im Mittelpunkt des Interesses: Die Stadt Lübeck mit der angrenzenden Gemeinde Herrnburg (Lüdersdorf) an der ehemaligen innerdeutschen Grenze, die schweizerische Stadt Basel mit der deutschen Nachbargemeinde Grenzach und schließlich auch die Ortschaften Sittard-Geleen und Tüddern (Selfkant) an der deutsch-niederländischen Grenze. In diesen Regionen werden im Laufe des Jahres Interviews mit Einwohnern geführt werden, in denen es um ihre alltäglichen Praktiken und deren Bezug zu der (ehemaligen) nationalen Grenze geht.
Wenn Sie Fragen, Kommentare oder Anregungen haben oder in den Orten Herrnburg, Grenzach oder Tüddern leben und mich bei meinem Projekt unterstützen möchten, zögern Sie nicht mich anzurufen (0441 / 798 4555) oder mir eine E-Mail zu schreiben (nils. mueller (at) uni-oldenburg.de).
